6 x 4 Wochen sind vorbei – der Abschlussblog

Vor ziemlich genau 7 Monaten, am 30.12.2019 sind wir in Buenos Aires gelandet, aufgeregt und voller Vorfreude. Argentinien sollte unsere erste Station sein – leider auch unsere einzige, aber das wussten wir ja noch nicht. Corona hat die Welt durcheinander gewirbelt, davon blieben auch wir nicht verschont und wurden Ende März zurück nach Deutschland gepustet. Aber: wir hatten drei unglaublich tolle und intensive Monate! Wanderungen in einer grandiosen Natur, Tango und Sprachkurs in Buenos Aires, Begegnungen mit Freunden – alten und neuen… dafür bin ich sehr dankbar.

 

Zurück in Deutschland standen wir erstmal ohne Wohnung da – unser Sohn hatte mit einem Freund eine WG gegründet  –  das war der Deal. Zum Glück hatten wir als Alternative noch das „AirBnB“ atelierfünfdrei. Hier ließ es sich gut aushalten. Mein Atelier war in früheren Zeiten eine Wohnung, deshalb gibt es eine Küche, ein Bettsofa, ein Badezimmer. Wir dachten an ein paar Tage – wir wollten ja weiter reisen. Wenn schon nicht in Argentinien, dann halt in Deutschland. Aber auch das ging wegen des Lockdowns lange nicht – Region verlassen nicht erlaubt, auswärts übernachten? Fehlanzeige. So verbrachten wir fast zwei Monate mit Tagesausflügen in der Umgebung: Frühling, tolles Wetter, tolle Gegend und keine Sau unterwegs!

 

Dann kam das Projekt „Maske“: was als Ostergeschenk für Familie und Freunde begann, wuchs bald zu einer kleinen Manufaktur heran: täglich bekam ich neue Bestellungen von Freunden, Betrieben, Apotheken, und dazu das selbstgesteckte Ziel von 200 Masken für Geflüchtete in griechischen Auffanglagern. Ich nähte und schnitt und nähte – fast vier Wochen lang, zuerst „nebenbei“, dann Vollzeit, schließlich im produktiven Rausch. Eine erfüllte Zeit. Christian kümmerte sich derweil um den Haushalt – kaufte ein, wusch ab, kochte…. Insgesamt habe ich in dieser intensiven Zeit ungefähr 450 Stoffmasken genäht.

 

Ende Mai war das Reisen innerhalb Deutschlands wieder möglich. Hurra! Sabbatical 2.0 konnte endlich beginnen! Der Plan war, wandernd uns unbekannte Gegenden des Landes zu erkunden. Wir sahen die malerischen Orte Kleinwendern, Helmsgrün, Hohnstein, Wiesenburg, Freiberg, Dresden, Meißen, Hannover, Essen, Köln … badeten in der eiskalten Talsperre Pöhlsee, in der Sebnitz, im Haus-, Werbellin- und Eixer See und im Jeseriger Dorfweiher. Wir grüßten die Gipfel des Fichtel- und Elbsandsteingebirges, die geschichtsträchtige Bastei, den froschquakenden Spreewald, die dünensandige Schorfheide, die Windräder der Uckermark, den weitschweifenden Fläming mit seinen Windmühlen und Nachtigallen, den majestätischen Noppenberg und die sagenhafte Loreley. Wir sahen den Brocken im Gewittersturm, aßen die besten veganen und nicht-veganen Würste von Werneuchen, die beste Pizza von Magdeburg, das beste Frühstück mit selbstgebackenem Brot von Hannover, die besten Nudeln von Herzogenrath und tranken den besten spanischen Wein von Bad Oeynhausen. Wir bildeten uns in sieben Museen und siebenundsiebzig Naturschutzgebieten. Und wir trotzten dem Wetter.

 

Erfüllte, abwechslungsreiche, unglaublich schöne sechs Monate liegen hinter uns. Ein großer Schatz. Aber auch anstrengend, dieses Vagabundenleben – immer wo anders, immer aus dem Koffer.
Zurück in der eigenen Wohnung in der Inselstraße genießen wir jetzt den Sommer auf der Dachterrasse und freuen uns Freunden und Familie nahe zu sein. Es ist ganz ok, dass der Alltag uns wieder hat und ein bißchen Ruhe einkehrt. Ich unterrichte seit Mitte Juni wieder ein paar Stunden am AAG und hoffe, dass auch mein atelierfünfdrei bald wieder „brummt“. Christian hatte am 1. Juli seinen ersten Arbeitstag – erstmal im Homeoffice.
Wenn ich in Erinnerungen schwelgen will, schnappe ich mir mein Handy mit den 10000 Fotos von Fitzroy, Perito Moreno und Pinguinen oder meine Tagebücher in Bildern, meine „Cuadernos de Dibujo“.

Meine erste Zeichnung … inspiriert vom Muster meiner Bluse und von London Eye dem Riesenrad am Themseufer. Wir warten auf unseren Weiterflug nach Buenos Aires am Flughafen in Heathrow/London.

 

Und das ist die letzte Zeichnung … auf dem Rückweg von unserer Deutschlandtour. Wir waren wandern im Teichgebiet um Gottesgab (Franken) – und so ähnlich sah die Karte auf Komoot aus: viel blau, viel grün und dazwischen ein paar Wege. Die roten Punkte markieren Points of Interest. Vielleicht hat man von hier einen besonders guten Ausblick auf Reiher oder Enten?

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