Mit dem Bus unterwegs

… ist ziemlich spannend. Und sehr abwechslungsreich. Auf jeden Fall darf man es nicht eilig haben.

Unsere erste Busfahrt von Buenos Aires nach Puerto Madryn haben wir online gebucht auf plataforma10.com … obwohl alles auf spanisch ist, haben wir es geschafft! Yeah! Eine erste Herausforderung gemeistert. Dachten wir … ganz so einfach war es dann nämlich doch nicht. Das Ticket musste vom Handy aufs Papier. Über den Umweg eines Cafés mit WiFi und der E-Mail an ein locotorio (Internetcafe/Telefonstube/Printshop) hatten wir dann endlich, endlich unsere Tickets ausgedruckt in der Hand. Was für ein Glück, dass wir ganz deutsch schon 2 Stunden vor Abfahrt am Busbahnhof waren.

Busbahnhof Retiro in Buenos Aires

Wäre aber gar nicht nötig gewesen. Unser Bus von „Via Bariloche“ war zwar für 19.30 Uhr angekündigt, kam um 21.30 Uhr und war auch irgendein anderer. Älterer … Hm. Ein Ersatzbus? Wir sind jedenfalls voller Freude nach oben, also arriba (die Fernbusse hier sind zweistöckig) und haben uns auf den Plätzen ganz vorne mit Panoramablick eingerichtet. Coole Aussicht. Coole Sitze, diese cama ejecutiva oder coche cama, die man auf fast 180 Grad umlegen kann.

So oder ähnlich sehen die Sitze aus – ziemlich bequem!

Es gibt normalerweise auch Decken, Kissen und Verpflegung, schließlich fahren die Fernbusse Strecken, die wir uns gar nicht vorstellen können. Von Buenos Aires nach Rio Gallegos (letzte Stadt in Patagonien vor Feuerland, da sind wir gerade) ist es weit. Sehr weit, mehr als 2800 km. Das heißt mehr als 30 Stunden Fahrt, die sich 2 Fahrer und ein Serviceboy teilen. Und zwar so ziemlich nonstop. Es gibt eine geteerte Straße entlang der Atlantikküste, die RN 3, zweispurig. Auf der anderen Seite, die Cordillera hoch, verläuft eine zweite Straße, die ruta 40, die etwas abenteuerlicher sein soll. Ansonsten gravel road, also Schotterpiste, für Fernbusse unpassierbar.

Wir haben die Strecke gesplittet. Erst nach Puerto Madryn und dann nach Rio Gallegos. Zweimal ungefähr 1400 km, zweimal viiiiiiiieeeeeeele Stunden im Bus mit allerlei kuriosen Erlebnissen ….

Unsere Tickets von Puerto Madryn nach Rio Gallegos

Ich fange mal mit der Verpflegung an. Bei mindestens 17 Stunden im Bus ein durchaus wichtiges Thema. Auf unserer ersten Fahrt gab es tatsächlich auch Abendessen und Frühstück. Das Frühstück bekamen wir auf der zweiten Fahrt dann Abends und zum Frühstück … nichts. Abendessen hieß ein bißchen Risotto, Kekse, Mousse au … hmmm …? Chocolate? und zweimal Sprite im Plastikbecher. Das Frühstück bzw. Abendessen 2 kam in einer kleinen Faltschachtel, ca. Postkartengröße, mit drei kleinen Beutelchen, drin: salzige Kekse, ein Prinzenrollenkeks mit rosa Erdbeercreme und Mate/Kaffee/Tee. Dazu ein Plastikbecher heißes Wasser, das wars. In weiser Voraussicht hatten wir Wasser, Obst und Nüsschen dabei und sind nicht schon am Anfang unserer Reise verhungert oder verdurstet. Es gab nämlich auch kaum Zwischenstopps, wo wir uns hätten versorgen können. Ich frage mich, wie machen das die Argentinier? Außer Kartoffelchips habe ich unsere Nachbarn nichts essen oder trinken sehen …

Das Frühstück (Sandwich gehört nicht dazu)
Hmmmm … lecker Erdbeerkeks!
Und Mate cocido

Das mit den Zwischenstopps war auch so eine Sache. Wir hatten auf beiden Fahrten außer den geplanten auch unfreiwillige Aufenthalte.

Auf der ersten Fahrt so um 4 Uhr nachts, es roch schon ein bißchen unangenehm nach Diesel, fuhr unser Bus an den Straßenrand und blieb stehen. El coche rotó. Kann passieren, der Bus ist alt. Keiner regt sich auf, wie das in Deutschland der Fall wäre, sondern nutzt die Zeit für Telefonate, Videoaufnahmen des kaputten Busses an die Familie, Zigarettenpause … oder einfach um weiterzuschlafen. Das machen wir dann auch und hören nur so nebenbei, das anscheinend irgendwann irgendwer kam und den Defekt repariert hat. Wir kamen mit 4 Stunden Verspätung in Puerto Madryn an. No pasa nada.

Bus kaputt im Irgendwo

Auf unserer zweiten langen Nachtfahrt von Puerto Madryn nach Rio Gallegos, ganz im Süden von Patagonien, hatten wir wieder eine Zwangspause. Es war extrem windig, der Bus (zur Erinnerung – er ist zweistöckig) wurde sehr gebeutelt auf der engen, nur zweispurigen Straße. Mit nichts als einer unendlich weiten, steppenartigen Mondlandschaft links und rechts. Immer, wenn ein Laster entgegenkam, gab es diesen Sog … und dann ratterte mein Fenster. Und ich konnte durch einen Schlitz ins Freie sehen. Die Fensterverklebung hatte sich gelöst. Der Nachbar hinter uns reagierte schnell, der Fahrer und seine Crew auch …

Kreative Klebeaktion
Bei Wind auf einer interessanten Leiter
Unser Bus in voller Pracht und mit verklebtem Fenster

Wir wechselten zuerst in einen Notbus, aber bald wieder zurück in den kaputten, weil es dann doch erst 100 km weiter einen Ersatzbus für die verbleibenden 600 km gab. Irgendwie geht’s immer weiter. Mit Kreativität, Improvisation, viel Zeit und unter dem Segen von Gauchito Gil, dem Schutzheiligen der Bus- und LKW-Fahrer, dem entlang der Straßen immer wieder kleine rote Altäre mit interessanten Devotionalien wie gefüllten Weinflaschen und Zigaretten aufgebaut sind. In vielen Bussen hängen auch rote Schals oder ähnliches.

Rot scheint wichtig zu sein
Links steht die Weinflasche, etwas versteckt
Gauchito Gil, der Beschützer
Gauchito Gil – auch in unserem Bus

Christian und ich haben uns bisher trotz der definitiv nicht deutschen Standards entsprechenden Busse auf jeder Fahrt sehr sicher gefühlt.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hört sich nach einem zeimlich coolen Trip an! Langweilig geht sonst immer….;-)weiter so

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