Einfach online

Seit letztem Wochenende bin ich glücklicher Besitzer einer argentinischen Sim-Karte von movistar. Wir hatten vorher nicht gedacht, dass es so kommen würde, aber drei junge FSJlerinnen, die ein Jahr in Buenos Aires arbeiten, haben uns ganz ungläubig angeschaut als wir ihnen erzählt hatten, dass wir uns von Wifi-Hotspot zu Wifi-Hotspot hangeln. „Wieso denn? Mobilfunk ist doch hier viel billiger als in Deutschland!“

In einem Telefonladen erworbene movistar-Karte

Also sind wir am nächsten Tag losgezogen, uns eine Prepaid-Karte zu besorgen. Nicht ganz einfach, weil man die nur in bestimmten Läden bekommt. Durch Herumfragen in Puerto Madryn haben wir erfahren, dass wir zum Busbahnhof müssen. Durch Herumfragen im Busbahnhof haben wir dann auch den Laden selbst bald gefunden: ein Telefonladen mit zwei einsamen und mittlerweile wahrscheinlich überflüssigen Festnetztelefonplätzen, sechs auch schon sehr vereinsamten Internet-Cafe-Arbeitsplätzen, einer Wand mit Handyhüllen, Handyanhängern und anderen Gadgets, Regalen hinterm Tresen mit Handys, Handyschachteln, Bürokram – und zwei sehr speedigen jungen Verkäufern in Streetware-Klamotten.

Speedig hieß in diesem Fall: sehr schnell und für uns unverständlich sprechend und nebenbei auch virtuos alle Laufkunden bedienend, die nach uns eintrudelten und nur mal eben ihr Guthaben aufladen wollten. Wir hatten naheliegende Fragen: was so ein Prepaid-Tarif kostet, wieviel Internet, Telefonie, SMS etc. dabei sind, was passiert, wenn das Kontingent verbraucht ist, was der Unterschied zwischen den drei angebotenen Karten ist etc. Unser Interesse traf leider auf eine gewisse Ungeduld auf der anderen Seite des Tresens.

Der Chefverkäufer hatte dann doch bald Mitleid mit uns, nahm uns zur Seite und bat uns ein bisschen zu warten. Dauerte nicht lange, bis er uns geduldig erklärte, was wir wissen mussten:

  • alle drei Angebote sind eigentlich gleich von Kosten und Leistung
  • die Netzabdeckung der drei Anbieter ist ziemlich gleich
  • man kauft Datenvolumen für eine Woche, das verfällt, wenn man es nicht nutzt
  • WhatsApp geht auch wenn das Datenkontingent verbraucht ist. Alle ArgentinierInnen, die wir bisher kennengelernt haben (Taxifahrer, Tourguides, Freunde von Freunden etc.), verwenden ständig WhatsApp zur Kommunikation – meistens texten sie, aber oft sprechen sie auch kurze Sprachnachrichten in die App statt zu telefonieren

Barbara hatte sogar ein Sim-Karten-Wechsel-Nädelchen dabei (oder wie das Ding heisst) – die angebotenen Büroklammern waren nicht notwendig. Netzeinstellungen, Anmeldung besorgte der Verkäufer in Windeseile, und schon war ich im Netz! Alles ganz supereinfach. Interessant, dass ich gar keine Personalien angeben musste – Mobilfunk scheint anonym zu funktionieren.

Und es geht sogar ein ganzes Stück billiger als in Deutschland: die Karte kostet 50 Pesos = 80 Eurocent. 1 Woche 1 GB Datenvolumen mit 40 Telefonaten in alle Netze und flatrate für movistar kostet 130 Pesos = knapp 2 €.

Zugegeben: „in der Pampa“ (zum Beispiel auf unserer 1300 km Busfahrt von Puerto Madryn nach Rio Gallegos) bringt die Sim-Karte gar nichts – Netz ist Fehlanzeige. Dagegen sind selbst entlegenste deutsche Landstriche traumhaft erschlossen. In weiten Teilen von Argentinien ist es aber auch so leer, dass man hunderte von Kilometern nur Schafe und Guanakos trifft…

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Online am südlichsten Zipfel der Welt und dann auch noch nörgeln!? Tsts…ist doch auch cool! Und einfach mal so abtauchen und nach ein paar Tagen oder Wochen schwubsdiwubs wieder auftauchen tut auch der Seele gut.
    Schade, dass ihr nicht (mehr) raucht, würde mich interessieren, was dort Zigaretten oder besser gesagt Tabak zum Selbstdrehen kostet. Ich hab mal vor Jahre in Antofogasta in Chile, gar nicht so weit südlich im Hafen einen Tabaksbeutel kaufen wollen, der war aber mit 40 Doller ausgepreist!!!! Bin dann mehrmals immer wieder daran vorbeigeschlichen und habe auf den Preis geschielt, weil ich es einfach nicht glauben konnte. Dachte immer, das wäre der Preis für eine Stange Tabak, dem war aber wohl nicht so 🙁 nun gut, smoketime is over, eien kleine Geschichte nebenbei.
    Also immer die Augen auf halten in der Wüste, irgendwann taucht ganz unvermutet ein Funkmast auf 😉 bin ich mir ganz sicher!
    Schön von euch zu lesen, schöne Reise und viele Abenteuer noch! Liebe Grüße Teddy

    1. Wie lang ist das denn her? War das auf einem Landgang? Vielleicht der Preis in chilenischen Pesos? Die haben nämlich auch das Dollarzeichen, so wie die argentinischen Pesos. Oder müssen Seebären immer in US-Dollar zahlen?

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