Patagonia Fusion

Südamerika ist sehr vielfältig. Ein Schmelztiegel. Das merkt man nicht nur in Buenos Aires, sondern auch in Patagonien. Salopp ausgedrückt: hier kommt eine Menge unterschiedlicher Dinge auf engstem Raum zusammen:

In den wenigen Orten und touristischen Hotspots eine Menge Menschen verschiedenster Herkunft (Bus an Bus, Zimmer an Zimmer, Handy an Handy).

Hier zum Beispiel vier UrlauberInnen mit fünf verschiedenen Handymodellen. Echt nicht gestellt!

Kommen auch auf engstem Raum zusammen: im Einzugsbereich der Kordilleren die Länder Chile und Argentinien (0 km entfernt), Talboden und Granitspitzen (10 km), feuchte Kälte des Pazifiks (Humboldtstrom) und kalte Trockenheit der patagonischen Steppen (50 km), Pazifik und Atlantik (400 km).

Nebel, Berge, Gletscher, Südbuchenwälder, See, Ausläufer der Steppe: alles nah beieinander. Der Perito Moreno-Gletscher fließt bis zur Talsohle, direkt in den Lago Argentino. Der liegt nur auf gut 200 m über dem Meeresspiegel. Darum ist es hier auch gar nicht so besonders kalt. Und die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sind nicht groß. Touren am Gletscherrand können mit leichter Ausrüstung auch im Juli (tiefster Winter) gebucht werden.

Und fast überall in Patagonien mischen sich Pflanzen der südlichen und der nördlichen Hemisphäre. Ich bezweifle, dass es Plätze gibt, an denen mehr Einwanderer aus Europa und anderen Teilen der Welt sprießen als hier in Südamerikas Süden. Vor allem da, wo Menschen zugange waren, können die Gäste aus dem fernen Norden auch dominieren. Hier ein paar Bilder, die euch wahrscheinlich heimisch vorkommen:

Warum eigentlich diese starke Zuwanderung? Hat Südamerika nicht eine ganz eigene, extrem vielfältige Flora? Stimmt genau – der Subkontinent ist ein wahrer botanischer Hotspot. Aber speziell im Süden haben in der letzten Eiszeit die Gletscher so ziemlich alles platt gemacht. Nicht nur haben sie die Böden abgeschliffen, sie haben auch viele Pflanzenarten von der Erdoberfläche getilgt. Den subtropischen Arten aus dem Norden, die über die weiten Steppengebiete eigentlich locker nach Süden nachwandern könnten, ist es hier viel zu kalt, viel zu trocken und viel zu windig. Sie machen sich nichts aus den touristischen Highlights, und können sich auch nicht so einfach und schnell an die rauhen Bedingungen anpassen wie die Urlauber.

Viele „Allerweltspflanzen“ aus der nördlichen Hemisphäre, vor allem aus Europa, bringen bessere Voraussetzungen mit, vor allem was Standorte in Siedlungen und land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen anbelangt, denn sie wurden von den Menschen erst vor Kurzem geschaffen. Ihre Samen wurden durch den Warenverkehr unbeabsichtigt eingeschleppt. Und sie hatten – so wie wir auch – nur ein One-way-Ticket. Also ließen sie sich in Südamerika nieder. Und, obwohl manche sie als Eindringlinge sehen, werden ihre Nachkommen sicherlich von den Urlaubern genauso wenig als „exotisch“ wahrgenommen wie die Nachkommen der spanischen, walisischen, irischen, deutschen etc. menschlichen Einwanderer.

Übrigens, wir haben tatsächlich kein Rückflugticket. Aber nicht, weil wir uns ebenfalls in Patagonien niederlassen wollen. Hier ist es uns nämlich viel zu kalt, viel zu trocken und viel zu windig. Sondern weil wir noch gar nicht wissen, von wo aus wir zurück fliegen. Das entscheidet sich später. Vielleicht reisen dann ja unbemerkt ein paar Samen aus Patagonien mit uns nach Europa.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Lieber Christian,
    danke für die tollen Informationen über die Pflanzenwelt
    Wieder was gelernt!

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