Streetart und Graffiti in Buenos Aires

Schon in den 1920ern begann man in Buenos Aires politische Statements an die Hauswände zu pinseln. Kreide und Holzkohle gaben den Menschen eine Stimme in den Jahrzehnten immenser politischer Veränderungen, besonders zur Zeiten von Repression und Diktatur.
Die Streetart heutzutage ist dagegen oft von Bars und Haubesitzern bezahlte Kunst. Es werden auch viele Wandflächen einfach so zur Verfügung gestellt, dann kann man sich nämlich sicher sein, sehenswerte Kunst an der Hauswand zu haben, anstelle von häßlichen Schmierereien. Inzwischen hat sich die Kunst an den Hauswänden zu einem Aushängeschild und Touristenmagneten von Buenos Aires entwickelt. Interessant, wie sich Ansichten ändern, wie illegaler Protest zu einer akzeptierten und zum Teil bezahlten Angelegenheit werden kann. Für einige Künstler ein Sprungbrett zu internationalem Erfolg. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass die Streetartszene in Buenos Aires alles andere als etabliert und kommerziell ist, sondern sehr lebendig und vielfältig und vor allem … bunt.

Bunte Hauswände in Palermo viejo

 

Ich habe mich gefragt, woran es liegt, dass es in Buenos Aires so unglaublich viel Streetart gibt  – an seiner Geschichte, an den vielen legalen „Arbeitsflächen“, an der großen Künstlerszene … wahrscheinlich liegt es an allem und an Argentinien selber, dieser bunten Mischung verschiedenster kultureller Einflüsse. Ich war jedenfalls ziemlich begeistert von den unterschiedlichen und oft künstlerisch herausragend gestalteten Wänden, Häusern, Mauern. Überall begegnet man Farbe (jaaaaa….. Regensburg, da kannste dir was abgucken).Perfekt für mich und ein MUSS, da ich mich sehr für zeitgenössische Kunst interessiere und auch beruflich als Kunstlehrerin mit diesem Thema beschäftige: eine „Free Walks“-Citytour durch das Stadtviertel Palermo über Streetart und Graffiti.

Zur Geschichte hat mir Jackie, unser Guide, den Link zu einer Webseite weitergeleitet – auf spanisch. Da konnte ich gleich üben 😉

Auf der „Free Walks“-Citytour

 

No me baño (ich dusche nicht) – ein schnell hingesprühtes Graffiti findet sich tausendfach an Wänden, Garagen, Elektrokästen … Über die Entstehung und Bedeutung gibt es wenig Informationen oder Erklärungen. eher Gerüchte: z.B. No me baño ni por un Big Mac war zunächst ein Gag, der sich dann verselbständigt hat. Auf Instagram hat die Gruppe NMB inzwischen 25.000 Follower.

no me baño …
… no me baño

 

Eine Auftragsarbeit ist dieses Bild eines Mädchens, das ein Selfie schießt vor den Schrifzeichen POP. Zwei berühmte Streetartkünstler wurden von der Regierung engagiert – vielleicht um den Übergang von hässlichen Hochhäusern zum hübschen Palermo viejo mit eher einstöckigen Häusern schön zu gestalten? In nur fünf Tagen war das Bild fertig … allerdings mit kleinen Kollateralschäden – der türkisfarbene Sprühnebel der Airbrushpistolen hatte sich auf einige umliegende Balkone und Autos niedergelegt.

Selfie am Hochhaus

 

Eine andere Art von Streetart ist die Gestaltung der Hauswände mithilfe von Plakaten. Ein Kollektiv von fünf Künstlern arbeitet so. Die Wand verändert sich ständig.

Plakatwand in Palermo

 

Gegen das Vergessen – Streetart und Mosaik erinnert an Deportierte in den 70igern

 

Eine Bücherei? Könnte sein …

 

Engel gibt es überall …

 

…. und Bengel auch

 

Keine Ahnung, was das bedeuten soll

 

Diese Wand ist die Hommage einer Künstlerin an ihre Schwester mit Down Syndrom

 

Auftragsarbeit über einer Kneipe

 

Verschönerung eines Spielplatzes, das gelb-schwarze Taxi im Vordergrund ist ein typischer Anblick in Buenos Aires

 

Science Fiction an einem Café

 

Dschungel in der Großstadt

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